Sonntag, 14. August 2011

Weigweiser Almaty...

Die Zugfahrt von Ust-Kamenogorsk nach Almaty verlief einwandfrei. Die Fahrraeder passten perfekt in die obere Gepaecksablage und den Zugschaffner, der eine Einkommensaufbesserung in uns und unserem Extragepäck sah, konnten wir mit gelegentlich serviertem Kaffee zufrieden stellen. Landschaftlich gab es wenig zu bewundern. Abgesehen vom Altaigebirge im Nordosten, sowie den massiven Gebirgsketten zu China und Kirgistan im Süden, ist Kasachstan eine einzige grosse trockene Huegel-, Steppen- bzw. Wüstenlandschaft. Nach 24 heissen Stunden im Zug rollen wir in Almaty ein, der mit 1.4 Millionen Einwohnern groessten Stadt des Landes und bis 1997 Haupstadt Kasachstans. Heute heisst die Hauptstadt Astana und ist ueber 1400km weiter noerdlich gelegen. Grund fuer den Umzug ist angeblich die grosse Erdbebengefahr im Raume Almaty und wenig Platz fuer neue Bauprojekte. Letzteres klingt doch eher wie eine schlechte Ausrede, angesichts der naheliegenden, menschenleeren Steppe, die sich nördlich ins Landesinnere erstreckt. Kritiker sagen, dass es wohl eher der Abstammung von Präsident Nursultan Nasarbajew zuzuschreiben ist, welcher urspruenglich aus dem Norden kommt und sich dort mit weniger lokalen Rivalen in der Elite konfrontiert sieht. Der Präsident ist seit über 20 Jahren im Amt und wird es wohl auch weiter bleiben, hat er doch die Verfassung geändert und darf sich nun so oft wählen lassen, wie er will. Nasarbajew ist jedoch alles andere als unbeliebt und erfreut sich grosser Beliebtheit bei den Kasachen. Einige Leute, mit denen wir gesprochen haben, sagten uns:
"Wisst ihr, unser Präsident ist bereits ein reicher Mann. Er hat sich seinen Teil des Kuchen längst abgeschnitten. Er soll bleiben. Er macht seine Sache nicht schlecht. Ein neuer Präsident ist bestimmt auch korrupt und möchte sich bereichern. Das Spiel ginge also von vorne los..."
Nun ja, so kann man dies natürlich auch sehen.Die Stadt Almaty liegt am Nordfuß des Tian Shan Gebirgszuges. Fast von ueberall aus der Stadt sind die wunderschönen, hohen Berggipfel zu sehen, die sich wie eine grosse Wand zwischen Kasachstan und Kirgistan auftürmen. Die Stadt ist weder modern noch alt. Nicht selten steht ein alter sowjetischer Blockbau neben einem neuen, glitzernden Business Komplex. Mercedes, Bentley und Porsche Cayenne sind keine Seltenheit auf den Strassen. Das Leben in der Grosstadt, unterscheidet sich wie in vielen von uns bereisten Ländern, auch hier komplett vom Rest des Landes. Wir sind froh bei Warmshower Tas, einem gebürtigen Australier, der als Pilot für die staatliche Airline "Air Astana" arbeitet, für einige Tage absteigen zu können. Dies gibt uns Zeit um andere Fahrradfahrer zu treffen (Speziell Chris, ein Aussie Dude mit dem wir viel Zeit verbringen), das Kirgistan Visa zu beantragen (Unser nächstes geplantes Reiseland lässt uns unglaubliche 10 Arbeitstage warten), die Registrierung in Kasachstan zu tätigen (viel zu spät, aber schlussendlich ohne Probleme) und die Weiterreise zu planen (von Almaty über Bishkek, Osh und den Pamir Highway nach Dushanbe). Nach langem hin und her wollen wir uns die Chance nicht entgehen lassen, die Strecke über den Pamir Highway zu radeln, von der wir von anderen Radreisenden soviel Gutes gehört haben. Dushanbe, die Hauptstadt Tajikistans, soll dann auch unser Endziel sein und wir buchen auf mitte Oktober zwei Flüge zurück in Kyokos Heimat, um den kommenden Winter in Japan zu verbringen. Das wir mit dieser Entscheidung einwenig zu voreilig waren, zeigte sich nur zwei Tage später... Manchmal soll es einfach anders kommen, als geplant.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Von Russland ins Russische Kasachstan

Nach den auesserst enstpannenden Tagen in Biysk und den eher langweiligen landschaftlichen Aussichten, viel Landwirtschaft, auf dem Weg in Richtung Kasachische Grenze fiel es schwer, wieder in den Sattel zu steigen. Eintoenig waere es dann wohl auch geworden, waere da nicht die weiteranhaltende, grosse Russische Gastfreundlichkeit und immer wieder Fluesse, die uns eine herrliche Abkuehlung sowie ideale Campingplaetze bieten. (Moskitos ausgenommen) Auch in Sibirien ist mittlerweile der Sommer angekommen. Blumen bluehen in allen Farben, die lokalen Gemuesegaerten sind reichlich gefuellt und uns laeuft seit langer Zeit wieder einmal die Sonnencreme in die Augen. Wir nehmen es gemuetlich, stoppen oft in kleinen Doerfchen auf eine Zwischenmahlzeit und Kaffee. Dabei werden wir oft von lokalen Leuten nach Herkunft und Ziel gefragt. Woher? Wohin? Mit dem Fahrrad? Wie lange? Warum??? Auf diese Weise lernen wir im Dorf "Solonovka" einen Mann mit grauem Bart namens Alexander kennen. Er und seine christliche Vereinigung bauen am nahe gelegenen Fluss ein Sommercamp auf. Es sei wunderschoen, wir sollen doch fuer die Nacht bei Ihnen Halt machen. Gerne nehmen wir die Einladung an und folgen seiner Wegbeschreibung runter zum Fluss. Nach kurzer Zeit finden wir das Camp 3A und fragen nach dem baertigen Alexander. Dieser sei noch am Einkaufen im Dorf, sagt seine Frau Alla und zeigt uns schon mal einige schoene Plaetze auf Ihrem Anwesen, wo wir unsere Zelte platzieren koennen. Um 19.00 Uhr sind wir zum Abendessen eingeladen und staunen nicht schlecht, als vor uns ein unbekanntes Gesicht, auch mit grauem Bart, namens Alexander steht. Der Zufall wollte es, dass wir irrtuemlicherweise am falschen Ort anklopften und es sich beim Campbesitzer nicht um den Alexander handelte, der uns im Dorf Stunden zuvor begnegnete, sondern um einen anderen. Nach erster Verwirrung auf beiden Seiten, taut der anfangs grimmig dreinschauende "neue" Alexander auf und es wird viel gelacht. Schlussendlich verlaengern wir unseren Aufenthalt noch um einen Tag, Alexander zeigt uns seine Umgebung und Alla bekocht uns mit Ihren Angestellten vom Morgen bis am Abend grosszuegig. Wie fast alle Russen in dieser Region, haben auch Sie einen riesigen organischen Gemuesegarten auf den Sie maechtig stolz sind. Uns kommt dies oft in Form von Geschenken zu Gute. Fast taeglich werden wir mit frischem Gemuese oder Fruechten beschenkt.Was das Fahrradfahren angeht, gibt es wenig erwaehneswertes zu berichten. Die huegelige, landwirtschaftliche Landschaft ist ereignislos, der Wind weht zuweilen wieder stark in entgegengesetzter Richtung und uns bleibt viel Zeit, um uns Gedanken ueber die weitere Reiseroute zu machen. Wieder sind Fahrradprobleme zu loesen. Vorallem Svens Hinterrad bereitet taeglich Schwierigkeiten. Die Radmuttern loesen sich stetig, es laesst sich einfach nicht richtig einstellen. Dies zehrt an den Nerven und der Motivation. Gluecklicherweise finden wir am Abend wieder und wieder einen gemuetlichen Platz an fliessendem Wasser, wo wir uns waschen und entspannen koennen. Dies entschaedigt fuer Vieles. Die Grenze Zmeinogorsk-Shemonaika, welche uns von Russland nach Kasachstan bringen wird, rueckt so immer naeher. In der letzten groesseren Russischen Stadt Zmeinogorsk, kommen wir unerwartet ein weiteres Mal in den Genuss der Russischen Gastlichkeit. Waehrend wir auf der lokalen Post das Internet benuetzen, laedt uns die Postangestellte Tina spontan zu sich nach Hause ein. Kaum zu glauben. Sie beendet fuer uns Ihre Arbeit fruehzeitig, bringt uns im Haus Ihrer Mutter unter und kocht uns ein herrliches Abendmahl. Wie kann man nur so nett sein? Einfach ueberwaeltigend.

Tagsdarauf brausen wir die letzten Kilometer an die Grenze zu Kazachstan. Der Grenzuebertritt verlaeuft auch dieses Mal einwandfrei. Die Russischen Grenzbeamten verabschieden uns in Richtung Kasachstan und wir stellen uns schon mal auf ein neues Land, mit anderen Leuten ein. Ein Unterschied zu Russland ist dann aber nur schwierig auszumachen. Landschaftlich bleibt sich alles gleich, die Haeuser sind die selben wie in Russland, alte Ladas rasen weiterhin an uns vorbei, die Leute haben nur vereinzelt Asiatische Gesichter und es wird ueberall Russisch gesprochen. Mitte des 18. Jahrhunderts unterstellte sich das spaetere Kasachstan nach und nach dem Russischen Zarenreich. Die meisten Städte Kasachstans sind während dieser Periode von Russen gegründet worden. Ab 1919 folgte die jahrelange Sowjetische Besetzung. Auch wenn sowohl Kasachisch als auch Russisch offiziell als Amtssprachen gelten, ist Russisch die im Alltag dominierende Sprache in Kasachstan. Viele Kasachen, welche Russische Wurzeln haben, sprechen kein Wort Kasachisch. So koennen wir unsere hart erlernten Brocken Russisch weiterhin taeglich anwenden. Nach drei Fahrradtagen kommen wir in der ersten groesseren Stadt, Ust-Kamenogorsk (auf kasachisch Öskemen) im Nordosten von Kasachstan an. Die Stadt wurde im Jahre 1720 als russische Militär- und Poststation gegründet und entwickelte sich zu Zeiten der Sowjetunion zu einem Zentrum des Bergbaus und der Metallurgie. In Öskemen stand zudem das Kriegsgefangenlager 45, Ust Kamenogorsk, für Deutsche Kriegsgefangene des zweiten Weltkriegs. Heute zeigt sich Öskemen als lebendige Kleinstadt, die zum Verweilen einlaedt. Gruene Parkanlagen, gemuetliche Gartenrestaurants, grosses Lebens- sowie Genussmittelangebot und sommerliche Temperaturen. Dazu kommt ein Kasachischer Brauchtum, der uns auf Anhieb sympatisch ist. Wohnungsmiete anstelle von teuren Hotelzimmern. Ein Couchsurfer hilft uns bei der Suche und innert Stunden ziehen wir in unsere 1.5 Zimmerwohung mit Bad und Kueche im Stadtzentrum ein. Fuer umgerechnet knapp 20 CHF pro Nacht haben wir alles was uns lieb sein kann. Backofen fuer Pizza, eine eigene Putzfrau, gekuehltes Bier aus dem Kuehlschrank, Waschmaschine, warme Dusche und ein gemuetliches Bett. Knapp eine Woche lassen wir es uns hier gut gehen und werden am kommenden Sonntag einen Nachtzug von Ust-Kamenogorsk nach Almaty im Sueden von Kasachstan nehmen. Wie es von Almaty weitergeht ist von den Visasbestimmungen der kommenden Reiselaender abhaengig. Voraussichtlich gehts entweder ueber Kirgistan und China oder aber nochmals durch Russland zurueck nach Japan.

Samstag, 2. Juli 2011

Sommerferien in Russland

Am Mongolischen Zoll:

Where are you from? "Switzerland and Japan"
Where you go? "This is the border to Russia right?"
Your car number? "No car, bicycle!"
Bicycle? Whats the bicycle number? "Bicycle number? No, we don't have a number."
Who is the driver? "hhhhhhmmmmm, I guess thats me."
Bicycles name? "Moby Dick"
Moby Dick, how do you write that?
And the other bicycle? "Little Princess"
Can you write this down....

Abgesehen von den ueblichen komischen, aber amuesanten Fragen der Zollbeamten, verlaeuft der Grenzuebertritt auf Monglischer sowie Russischer Seite problemlos. Auf asphaltiertem Untergrund kommen wir vortan wieder schneller vorwaerts. Fuer Taege fahren wir auf leicht gesenkter Strasse, entlang des Flusses Tschuja und suchen uns die schoensten Schlafplaetze fuer die Nacht aus. Rauschende Fluesse, dichter Nadelwald, schneebedeckte Berggipfel. Ein Fahrrad- respektive Campingparadies. Die Landschaft erinnert uns an den Yellowstone Nationalpark (nur das es nicht so nach Schwefel stinkt), Canada oder ja, zeitweise sogar an die Schweiz. Wir fuehlen uns definitiv nicht mehr wie in Asien. Landschaft, Essen und Leute erinnern uns zu fest an Europa. Von der Mongolei kommend, scheint die Auswahl an Essen in den Supermaerkten grenzenlos zu sein. Richtiges Heimatgefuehl kommt auf, bei Ansicht der vielen lokalen Kaesesorten, Wurst- und Milchwaren. Taeglich stellen wir uns selber ein feines Fruehstuecksbuffet zusammen. Und auch die Russen sind uns auf anhieb sympatisch. Dies ist jedoch auch nicht wirklich verwunderlich. Ein Volk, welches fuer "etwas schlechtes" den Ausdruck "Blocher" verwendet, muss ja einem Schweizer Buerger wohlgesinnt sein. Immer wieder werden wir zudem von Leuten zu Kaffee, Essen sowie Uebernachtung eingeladen oder mit Getraenken bzw. Snacks beschenkt. So auch, als wir in der Naehe vom Doerfchen Manzherok fuer einige Tage unsere Zelte aufschlagen. Wir werden von Sasha, Oksana und Ihrer Truppe zu Bier, Vodka und Abendessen eingeladen. Der Vodka fliesst in Mengen und auch wenn wir so wenig Russisch wie Sie Englisch sprechen, geht der Gespraechsstoff nie aus. Mit Haenden und Fuessen wird gestikuliert und dabei viel gelacht... Mit der Gastfreundlichkeit aber noch nicht genug. Sasha und Oksana laden uns ein, Ihre Familie in der 130km entfernten Stadt Biysk, welche wir Tage danach durchfahren, zu besuchen. Gerne folgen wir dieser Einladung und kommen in den Genuss der unheimlich grossen Russischen Gastfreundschaft. Wir werden von Oksana bekocht, trinken Bier, gehen am Baggersee schwimmen, erkunden Biysk, tanzen zu Russischer Rockmusik, geniessen eine heisse "Banya" (Russisches Bad/Sauna) und freuen uns fuer einmal wieder einfach nichts zumachen. Die Sommerferienstimmung geht auch noch weiter, als wir unseren Aufenthalt in Biysk um einige Tage verlaengern und bei Couchsurferin Elena und Ihren Freunden Evgeny sowie Konstantin absteigen. Super tolle Leute mit denen wir ein lustiges Wochenende beim Nichtstun verbringen.

In den naechsten zwei Wochen fahren wir dann weiter in Richtung Zmeinogorsk und somit an die Grenze zu Kasachstan. Route und weiterer Plan nach Kasachstan ist wie immer noch nicht wirklich klar...

Mit Fahrradproblemen an die Grenze

Die letzten Tage in der Mongolei ging es durch eine karge Berglandschaft in Richtung Russische Grenze. Neben dem staendigen Wetter, hatten wir vorallem mit den weiterhin holprigen Strassen und den daraus resultierenden Fahrradproblemen zu kaempfen. Nur wenige Kilometer nach Ulaangom gabs bei Sven einen ersten Platten zu reparieren. Am zweiten Tag brachen bei Gabriels Fahrrad in der Mitte von Nirgendwo zwei Speichen. Der darauffolgende Tag brachte ein weitaus schwieriger zu loesendes Problem mit sich. Das aeussere Gewinde an Gabriels Hinterachse war voellig dahin. Die Radmuttern passten nicht mehr aufs Gewinde und drehten staendig durch. (Wohl Abnuetzung und schlechte Qualitaet die Ursache) Zwar fuehrten wir in der Mongolei so ziemlich alles an Ersatzmaterial mit was man sich vorstellen kann, eine Ersatzachse zu diesem Zeitpunkt aber nicht. Mit der naechsten Stadt hunderte von Kilometern entfernt, galt es eine Loesung vor Ort zu finden. So wuergten wir einige Muttern aus der Mitte raus um mehr Gewind zur Verfuegung zuhaben, feilten das kaputte Stueck aussen komplett ab und spannten das Rad mit neuen Radmuttern einigermassen akzeptabel ein. (Radabstand zu Rahmen = Milimetersache) Unglaublicherweise sollte diese Notloesung bis nach Russland halten, wo wir von einem Jungen fuer kleines Geld, CHF 2 Franken, eine gebrauchte Hinterachse abschrauben und einsetzen konnten. Vierter Tag, viertes Fahrradproblem. Lautes knacken bei Svens Hinterrad. Ein Kugellagerring auf der Hinterachse ist voellig kaputt. Kugeln raus, neues gefettetes Lager rein und weiter gehts... So kommen wir nur langsam vorwaerts. Gluecklicherweise haben wir genuegend Zeit und Essen fuer die menschenleere Strecke bis an die Tsagaannuur-Tashanta Grenze eingeplant. Waehrend fuenf Tagen sehen wir kein einziges Haus, geschweige denn ein Dorf oder einen Laden. Ganz selten werden wir von einem vorbeibrausenden Jeep oder einem weit entfernten Ger an die Zivilisation erinnert. Manchmal fuehlt man sich fast einwenig wie auf einem anderen Planeten oder in einem Film. Das Wetter traegt weiterhin seinen Teil zur dramatischen Stimmung bei. Dunkle Regenwolken, stahlblauer Himmel, Regenboegen. Die karge, schroffe Landschaft erinnert an Ausschnitte von "Herr der Ringe". Man muss sich nur noch den Turm von Mordor vorstellen und schon hoert man die Orks-Armee in der Ferne marschieren.Weit ist es nun nicht mehr bis an die Russische Grenze. Trotz Fahrradproblemen kommen wir , wenn auch langsam, taeglich weiter in Richtung Westen. Nicht aber ohne weitere Huerden. Die naechste Herausforderung heisst, Bohmoeroen River. Normalerweise erfreuen wir uns an Fluessen um Suesswasser aufzufuellen und uns zu waschen. Der Boehmoeroen River fuehrt aber weitaus zuviel Wasser mit sich, als es uns lieb sein kann. Fuenf reissende Fluesse nebeneinander. Keine Bruecke weit und breit. Diese Fluesse mit den Fahrraedern und Gepaeck zu ueberqueren erscheint aussichtslos. Die Flussueberquerung wird zur Tagesaufgabe und nach stundenlangem Suchen finden wir endlich eine geeignete Stelle, die uns als passierbar erscheint. So waten wir vollbepackt von einem Flussarm zum Anderen und stehen schlussendlich nach 20.00 Uhr Abends am gegenueberliegenden Flussufer. Muede, von Moskitos verstochen, aber gluecklich das Gepaeck etc. trocken geblieben ist und wir den Boehmoroen River hinter uns gelassen haben, stellen wir unsere Zelte fuer die Nacht auf. Am naechsten Tag erreichen wir das Grenzdorf Tsagaannuur, das letzte mongolische Dorf vor der Grenze zu Russland. Wie in der ganzen Provinz Bayan-Oelgii sind 90% der Bevoelkerung Kasachen und somit groesstenteils Muslime. Tsagaannuur ist alles andere als einladend. Ein paar grosse, leerstehende Sowjetische Bauten, einige hundert Haeuser und vereinzelte mongolische Gers stehen eingezaeunt von einem riesigen Stacheldrahtzaun in der kargen Landschaft. Die Leute sind aufdringlich, moechten mit den wenigen vorbeikommenden Touristen Ihr Geld machen. Eine Schar von Kindern zupfen und springen um uns herum. Nachdem wir fuer so lange Zeit in der Natur unseren Frieden hatten, ist dies besonders schwer zu ertragen. Puuuuhhhh, Menschen koennen echt muehsam sein... Eigentlich wollen wir schnellstmoeglich wieder weg. Unser Russlandvisa ist jedoch erst in drei Tagen gueltig. So suchen wir eine Bleibe fuer die Nacht und treffen schlussendlich doch noch die richtigen Leute. Eine Kasachische Familie laedt uns fuer die Nacht ein. Wenig spaeter sitzen wir in Ihrem kleinen, aber gemuetlichen Lehmhaus, welches traditionel mit Wandteppichen eingerichtet ist und eine Teerunde folgt der Anderen. Als wir nach 23.00 Uhr bereits mit dem verdienten Schoenheitsschlaf rechnen, trommelt Ainur, der Vater, die ganze Familie zu Tisch. Wir staunen nicht schlecht, als ploetzlich ein ganzer Schafskopf vor uns liegt. Ainur brummelt ein Tischgebet, verwirft die Arme zu Allah und fuer die Familie beginnt der Festschmaus, fuer uns der Gaumengraus. Nun sind starke Maegen und gute Ausreden gefragt.

Tagsdarauf radeln wir vor die Russische Grenze, campieren noch einen letzten Tag auf Mongolischem Boden, bevor wir ueber die Grenze rollen. Ueber 1000km Holperpiste sind hinter uns. Die Mongolei war ein Abenteuer. Nun freuen wir uns auf Russland und asphaltierte Strassen.

Montag, 6. Juni 2011

Fahrt durch ein Bilderbuch

In Erdenet, der zweitgroessten Stadt der Mongolei, beginnt unser Mongolei Abenteuer. Nochmals gilt es einige Fahrradprobleme zu beheben. Dann aber geht es endlich los und wir rollen den offenen, menschenverlassenen Steppen entgegen. Was wir in den kommenden Wochen erleben, laesst sich nur schwierig beschreiben. Es ist wie eine Fahrt durch ein Bilderbuch. Das wechselnde Wetter verlangt uns viel ab, zeigt uns aber Landschaft, Tiere und Leute immer wieder in einem anderen, atemberaubenden Licht. Schneesturm in den Bergen, Bruthitze in der Wueste. Sandsturm am Tag, Hagel am abendlichen Lagerfeuer, der unsere Vodka Tassen mit Eis fuellt. Treue Begleiter auf den gut 1000 Kilometern von Erdenet, ueber Moeren in die westliche Provinz Uvs, ist der Gegenwind sowie der holprige Untergrund. Asphaltiert ist kaum eine Strasse in der Mongolei. Kieselstein-, Sand-, Gras- und hartgedrueckte Erdwege wechseln sich staendig ab und fuehren uns durch das grosse, weite Land. Leute sehen wir kaum und Verkehr existiert sozusagen nicht. Waehrend einer Woche ueberholt uns kein einziges Auto, nur gelegentlich kommt uns ein motorisiertes Fahrzeug entgegen. Keine Leute dafuer um so mehr Schafe, Pferde, Kuehe und Kamele, die uns mit interessierten Augen anstarren. Und am Himmel ziehen riesige Adler und Falken Ihre Kreise. Wenn wir von Leuten gegruesst werden, dann von einem Hirten, der hoch zu Ross angeritten kommt und sich fuer uns und unsere staehlernen Untersaetze interessiert. In Doerfern halten wir uns jeweils nur kurz auf, um Essenvorraete fuer die kommenden Tage in der Natur zu kaufen. Je nach Strecke muessen wir bis zu einer Woche Essen dabei haben, da erst nach 200km wieder ein Dorf kommt. Viele Orte veranlassen einen auch nicht wirklich zu laengeren Aufenthalten. Keine Hotels oder wenn dann, teuer und schmutzig. Zudem kommt in vielen mongolische Staedten, der hohe Alkoholkonsum dazu. Die Betrunkenen sind meistens keine direkte Bedrohung, das Ganze kann aber muehsam sein und traegt nicht gerade zu einem entspannten Aufenthalt bei. Taeglich machen wir uns darum auf die Suche nach einem gemuetlichen Platz, wo wir unser Zelt fuer die Nacht aufschlagen koennen. Dies ist wohl in keinem Land so einfach wie in der Mongolei, das mit 1.4 Personen auf einen Quadratkilometer die niedrigste Besiedlungsdichte aufweist. Wer mehr ueber einen Fahrradtag in der Mongolei wissen moechte, der kann gerne unten weiterlesen…


Ein Tag im Sattel:

8.00 Uhr am Morgen
Der Wecker klingelt. Nur langsam kriechen wir aus unseren warmen Schlafsaecken und widmen uns der taeglichen Pack-, Zeltabbau- und Fruehstuecksroutine. Zum Zmorge gibts entweder Brot mit Honig oder Haferflocken. Im Luxusfall gibts dazu noch einen Kaffee und eine Frucht. (Meistens Apfel) Heiss Wasser machen wir, wann immer moeglich, ueber dem Holzfeuer um Gas zu sparen. Dies hat wiederum Holzsammeln und je nach Wind, Pusten zur Folge. Bis wir mit bepackten Fahrraeder am Strassenrand stehen und jeder seine Morgenrituale vollendet hat, vergehen mindestens zwei Stunden.

10 Uhr am Morgen
Fuer die naechsten zwei bis drei Stunden rumpelt es. Je nach Tag blaest uns der Wind bereits jetzt entgegen und wir kommen nur langsam voran. Sind aber die Konditionen normal, dann brausen wir ueber die welligen Erdwege durch die wunderschoene Landschaft. Nach gut einer Stunde muss die erste Snackpause ran. (Nuesse, Schoggi oder Kekse) Je nach Kraftaufwand ist dann nochmals eine Pause vor dem Mittag noetig.

13-15 Uhr Mittag
Mittagspause. (Entweder Brot oder Nudelsuppe) Je nach Platz lassen wir uns Zeit, machen wenn moeglich wieder Feuer zum Kochen und geben unseren Beinen eine Erholungspause. Wenn kein Holz zu finden ist, kommt der Gaskocher zum Einsatz um die drei hungrigen Maeuler zu fuettern.

15.00 Uhr Mittag
Ein starker Kaffee hilft uns wieder in den Sattel. Fast taeglich weht spaetestens jetzt ein starker Gegenwind. Je nach Strassenuntergrund (Sand ist der grosse Feind) kommen wir kaum mehr voran und weitere Schokoladen Tafeln werden verzehrt. Spaetestens jetzt muessen wir auch wieder Ausschau fuer einen Fluss, See oder Laden halten um unsere Wasservorraete aufzustocken. Je nach Streckenabschnitt muessen wir unsere Raeder mit bis zu 9 Liter beladen. In Ulan Bator haben wir uns aus Kleideraufhaengern je zwei Wasserhalter gebastelt. Nach ueber 1000km kann man sagen, Test bestanden - Patentieren lassen.

16.00 Uhr bis 18.00Uhr Abends
Der Wind laesst nach (oder auch nicht) und die Fahrt in der Abendstimmung befluegelt uns nochmals. Jetzt wissen wir wieder warum es die taeglichen Anstrengungen wert sind. Pferdeherden galopieren an unserer Seite, Sonne und Wolken liefern ein atemberaubendes Schauspiel ab. Wir halten langsam Ausschau fuer einen Schlafplatz.

18.00 Uhr bis 20.00 Uhr Abends
Tagestotal = 30 bis 65km (Je nach Konditionen) Ein Schlafplatz ist gefunden. Wenn moeglich machen wir halt an einem Fluss und wo es Baueme hat. In den Sommermonaten ist es bis gegen 10 Uhr abends hell. Genuegend Zeit um uns einzurichten, Holz fuers Feuer zu organisieren und uns ein feines Abendmahl zu kochen. (Anfangs waren wir mit Fondue, Roesti, Aelpler Maccaroni etc., welche Sven aus der Schweiz mitgebracht hat verwoehnt.) Meistens gibts aber Pasta oder Reis mit Gemuese (Karotten, Zwiebeln, Pepperoni und Kartoffeln sind die Gemuese, welche alle paar Tage wieder in einem groesseren Dorf zum Kauf erhaeltlich sind.)

22.00 Uhr -23.00 Uhr Abends
Es dunkelt langsam und unsere Baeuche sind gefuellt. Die Abendstimmung ist gigantisch. Das Leben in der Natur mittlerweile Gewohnheitssache. Spaetestens jetzt kuehlt es schnell ab und wir freuen uns in die Zelte zu kriechen. Das Feuer erlischt und fuer uns heisst es Oyaasuuuuumiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii….. bis Morgen.


Vorgestern sind wir mit drei grossen Trucks die letzten gut 300km durch die Wueste bis nach Ulaangom, der Provinzhauptstadt Uvs, getrampt. Fuer die Strecke benoetigten wir lange 19 Stunden… (2 Platte Reifen) Hier entspannen wir uns so gut wie moeglich (wieder viele Betrunkenen und laute Zimmernachbarn Paare in Ekstase) machen dies nicht einfach…
Uebermorgen radeln wir dann innerhalb der naechsten Woche die letzten 300km bis an die Russische Grenze und weiter durchs Altai Gebirge.